Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere.
Diese Aussage wurde 1997 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin bestätigt.
Unserer Behörde sind während der letzten 10 Jahre keine durch Tauben verursachten Erkrankungen bekannt.
Da ich als Tierarzt auch Brief- und Rassetaubenbestände betreue, kenne ich eine Reihe von Taubenerkrankungen, denen zu Unrecht ein Zoonosepotenzial zugesprochen wird. Beispiel Salmonellen, die häufigste Variante bei Tauben vorkommender Salmonellen (es gibt 2000 verschiedene) ist für den Menschen nicht pathogen [=krankheitserregend]. Das Vogelgrippevirus H5N1 wird durch Hühner, Enten und Gänse, nicht aber durch Tauben übertragen. Clamydophila finden sich bei Tauben und Hühnern, besonders gefährliche Varianten aber bei Papageien und Sittichen. Sie führen bei Menschen als Ornithose-Erreger zu einer meldepflichtigen Erkrankung. [...]
[In Taubenhäusern] wird ca. 80% des Kotes einer Taube abgesetzt (jede Taube nutzt einen angestammten Sitzplatz im Schlag) und kann hier fachgerecht entsorgt werden. Nicht nur die Möglichkeit zur Eindämmung der Population ist hier gegeben, sondern auch die Möglichkeit der Gesundheitsüberwachung. Viele Kommunen beschreiten diesen Weg inzwischen erfolgreich. Jena hat diesen Stein bereits ins Rollen gebracht. Es bleibt zu wünschen, dass sich die Stadtverwaltung und private sowie kommunale Immobilieneigentümer weiter engagieren, um das Modell zum Erfolg zu führen.
Stadttauben sind als Krankheitsüberträger gefürchtet, Forscher halten sie jedoch für harmlos. Schüren Schädlingsbekämpfer die Angst vor den Vögeln, um mehr Geld zu verdienen?
Es ist aktuell kein Erkrankungsgeschehen der Stadttauben bekannt. [...] Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes wurden insgesamt zwei Ornithosenachweise in Jena bei Menschen erfasst. Ein Fall wurde im Jahr 2001 gemeldet. Die erkrankte Person arbeitete als Tierpflegerin im Infektionsbereich (Aktenkundig "Umgang mit Tieren u. a. Hühnern und Impfstoffen"). Der zweite Fall wurde 2014 gemeldet als labordiagnostischer Antikörper-Nachweis ohne Symptomatik, welche der Falldefinition entsprach. Die Person besaß zu diesem Zeitpunkt seit 60 Jahren hobbymäßig Brieftauben und hatte allgemeine Atembeschwerden.
[...] zum Thema Geflügelpest bei Tauben weist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) darauf hin, dass nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) Tauben bei der Weiterverbreitung des Geflügelpest-Virus (H5N1) nicht relevant sind.